Standpunkte

Für ein gebührenfreies Studium

Wir fordern die Abschaffung aller Studiengebühren in Niedersachsen. Sie sind unsozial und verschärfen die Ungerechtigkeit im deutschen Bildungssystem, indem sie junge Menschen massiv finanziell belasten oder aus Angst vor Verschuldung ganz vom Studium fernhalten.

Die Zahl der Studierenden hat zwar im Vergleich zum Vorjahr zugenommen. Aber der Anteil der Hochschulzugangsberechtigten, die tatsächlich ein Studium aufnehmen, ist zurückgegangen. Die 18. Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerks aus dem Sommer 2007 hat gezeigt, dass der Anteil der Studierenden aus Arbeiterhaushalten erneut gesunken ist im Vergleich zu Studierenden, deren Eltern ebenfalls studiert haben. Die allgemeinen Studiengebühren von 500,- Euro pro Semester müssen daher umgehend abgeschafft werden.

Darüber hinaus fordern wir die Abschaffung der Langzeitstudiengebühren. Begründet werden sie mit dem Bild des "faulen Bummelstudenten". Dabei gibt es viele ernste Gründe, warum ein Studium länger als Regelstudienzeit plus Toleranzsemester dauern kann. Nicht alle sozialen Härten, wie z. B. chronische oder psychische Erkrankungen werden von den Ausnahmetatbeständen im Hochschulgesetz abgedeckt. Gar nicht davon erfasst sind Studierende, die nebenbei arbeiten müssen oder über den Tellerrand ihres Studienfachs hinausgucken möchten.

Wichtig ist uns auch, dass die Gebührenfreiheit nicht nur bis zum Bachelor-Abschluss reicht, sondern auch ein Masterstudium mit abdeckt. Wer einen Master an den Bachelor anschließen, oder sich erst nach einigen Jahren Berufserfahrung weiterqualifizieren möchte, soll dafür keine Extragebühren zahlen. Der Master ist Teil eines vollwertigen Hochschulstudiums und darf nicht zu einem Luxusabschluss werden, den sich nur eine Minderheit leisten kann.

Zur Exzellenzinitiative

Wir Juso-Hochschulgruppen haben die Exzellenzinitiative seit Beginn der Diskussion stark kritisiert. Nach wie vor können wir nicht nachvollziehen, warum lediglich einige wenige Hochschulen finanziell gefördert werden sollen, während andere auf der Strecke bleiben. Genauso schleierhaft bleibt, warum durch die Exzellenzinitiative die Qualität der Lehre gestiegen sein soll.
Eine ernst gemeinte Breitenförderung in Richtung einer dringend benötigten Erhöhung der HochschulabsolventInnenquote kann und ist mit der Elitenförderung der Hochschulen nicht vereinbar! Für uns Juso-Hochschulgruppen gibt es nur einen Weg: Wir fordern weiterhin mit Nachdruck eine ausreichende bedarfsdeckende Grundausstattung von Forschung und Lehre an allen Hochschulen ohne jede Form wettbewerblicher Hürden. Denn eine wahrlich vielseitige, vitale Hochschullandschaft wird nur durch eine ausgewogene staatliche Förderung Realität.